Familienkonzerte

"Peter und der Wolf" mit Dorothee Hartinger



Zusammen mit der bekannten Theater- und Filmschauspielerin Dorothee Hartinger unternahm die Junge Symphonie am Wochenende des 20. & 21. November 2004 eine kleine Tournee. Schüler und Schülerinnen sollten die Möglichkeit erhalten, ein Symphonieorchester einmal “hautnah” zu erleben. Um Schülerinnen und Schülern Berührungsängste zu nehmen vertauschte das Orchester den Konzertsaal mit der Schulaula. Das berühmte sinfonische Märchen “Peter und der Wolf” wurde für Schüler und Eltern direkt an mehreren Schulen aufgeführt.


Wie spannend Orchestermusik sein kann, das fanden die Schüler gleich zu Beginn der Veranstaltungen heraus. Ein kleiner Ausflug in die Welt des Symphonieorchesters ermöglichte Einblicke in die Strukturen eines solchen Ensembles. Markus Schindlbeck “zerlegte” eine Stelle des Werks in ihre musikalischen Einzelteile. Jede Instrumentengruppe stellte sich und ihren Beitrag zur Musik vor. Schließlich ergab sich aus den vielen Einzelteilen wieder ein großes Klangbild.


Der Komponist: „Peter und der Wolf“ (op. 67) ist das wohl bekannteste klassische Stück für Kinder; es war auch einer der größten Erfolge seines Komponisten, Serge Prokofjew (1891-1953). Prokofjew spielte Klavier und komponierte, noch bevor er die Schule besuchte. Als Jugendlicher bekam er Unterricht bei so wichtigen russischen Komponisten wie Reinhold Glière, Anatol Liadow und Nikolaj Rimsky-Korsakow. Im Laufe der Zeit lernte er immer besser mit Melodie, Harmonie und Rhythmus umzugehen und die Instrumente des Orchesters mit ihren besonderen Klangfarben und technischen Möglichkeiten zur Geltung zu bringen.

Das Werk: Den Auftrag zu „Peter und der Wolf“, einem – wie Prokofjew es selbst nannte – „sinfonischen Märchen für Kinder“, bekam der Komponist von einem Moskauer Kindertheater. In der kommunistischen Sowjetunion sollte er einen vorbildlichen jungen Pionier darstellen, der zwar mutig und pfiffig ist, aber seinen Erfolg trotzdem bescheiden mit anderen teilt. Für den Text und die Komposition soll Prokofieff eine Woche gebraucht haben; für die Instrumentierung noch einmal genauso lang. Die Uraufführung fand am 2. Mai 1936 in der Moskauer Philharmonie unter der Leitung des Komponisten selbst statt.

Der Inhalt des Märchens ist schnell erzählt: Der kleine Peter bewahrt den in Streit mit der Ente geratenen Vogel davor, von der Katze gefressen zu werden. Doch der Großvater holt Peter ins Haus zurück, denn was wäre, wenn aus dem Wald der Wolf käme? Und tatsächlich: Kaum hat der Großvater die Gartentür hinter sich und Peter geschlossen, nähert sich der Wolf auch schon und frisst die Ente, die vor lauter Aufregung aus dem Wasser gesprungen ist. Während der Wolf gierig den Baum umkreist, auf den sich die Katze geflüchtet hat, klettert Peter mit einem Seil vom Garten aus auf einen Ast und fängt mit einer Schlinge den Wolf. Weil dieser nach dem Vogel schnappt, der seinen Kopf umkreist, verfängt er sich immer mehr in der Schlinge. Auf den Spuren des Wolfs kommen die Jäger aus dem Wald. Sie wollen auf den Wolf schießen, aber Peter ruft ihnen zu, dass der Vogel und er den Wolf lebend gefangen hätten und sie nun helfen sollten, ihn in den Zoo zu bringen. Im Triumphzug geht es dorthin – und wer genau hinhört, kann die Ente im Bauch des Wolfs quaken hören, denn der Wolf hat sie in seiner Gier lebending heruntergeschluckt.

Obwohl Erzähler oder Erzählerin perfekt in das „sinfonische Märchen“ integriert sind, werden die einzelnen Charaktere und Situationen schon allein durch Prokofieffs Verwendung der Orchesterinstrumente zum Leben erweckt. Der Vogel flattert in den höchsten Flötentönen, die Ente quakt im näselnden Oboenton, und die Katze schleicht sich auf Samtpfoten in den tiefen Registern der Klarinette heran. Diesen Holzbläsern gegenüber stehen der angriffslustige, gierige Wolf in den Hörnern und die Jäger mit ihren Pauken- und Trommelschüssen. Peter selbst wird von den Streichern gespielt; seine Melodie ist genauso fröhlich, unbefangen und aufgeweckt wie der Held des Märchens. Dem Großvater schließlich ist das brummelnde Fagott zugeordnet – die Ähnlichkeit des Instruments mit einer langen Tabakpfeife ist sicherlich nicht zufällig.